HEIMLICHE VERSAMMLUNGEN

Serie II

2024, Fotografie
20 x 15 cm

Serie I
2014, Fotografie
20 x 15 cm

Staub, Stäube: Hautschuppen, Kleidungsfasern, Tierhaar, Milben, Flusen, Fusseln, Straßenabrieb, Ruß, Spinnweben, Krümel, Sand. In der Regel unerwünschte Ablagerungen u.a. der oben genannten Partikel im Wohn- und Arbeitsumfeld.

In ihren klein-formatigen schwarz-weiß Fotografien holt Künstlerin Karla Maria Weissenfeld ans Licht, was sich sonst unter Betten, in Zimmerecken und hinter Bücherregalen versteckt: Staub.

Auf der weiß ausgeleuchteten Bildfläche wirken die profanen Staubgebilde, fremd und faszinierend: ephemere Konstellationen, die wie zu Forschungszwecken festgehalten und archiviert wurden. Kein Exemplar gleicht dem anderen. Jede Staubflocke ist ein flüchtiges Porträt einer bestimmten Situation, eines Ortes und seiner Benutzer*innen. Die einzelne Fotografie als Momentaufnahme im unendlichen Prozess des Werdens und Vergehens. 

Was sich im Verborgenen aus den Residuen unserer Existenz gebildet hat, nimmt plötzlich gestalthafte Formen an: schwebende Nebelwesen, deren sanfte Schattierungen den Raum eher andeuten, als ihn zu definieren; filigrane Formationen, wie zart-graue Galaxien in einem weißen Kosmos.

Leicht vergrößert, sind die Staubflocken auf den Fotos von Karla Maria Weissenfeld grade so weit verfremdet, dass wir sie gleichzeitig als Abbildungen des konkreten Gegenstandes und als abstrakte Konfigurationen feiner Linien und Flächen wahrnehmen. So ziehen uns die Bilder von Karla Maria Weissenfeld in ihren Bann, indem sie das Augenblickliche mit dem Ewigen verbindet, das Banale mit dem Erhabenen, den Abrieb des Lebens mit dem Aufbau des Universums.